Kaffee und Plastik

Plastik ist schon heute ein globales Umweltproblem, das lange unterschätzt wurde. Plastik schwimmt in den Weltmeeren: Vergleicht man tausende Kilometer von der amerikanischen Küste die Konzentration von Plankton im Verhältnis zu Plastikteilchen, ist ein deutlicher Überschuss zu Gunsten der Plastikteilchen keine Seltenheit. In Indien sind herumfliegende und herumliegende Plastiktüten so ein großes Problem geworden, dass Herstellung, Verkauf und Gebrauch in einigen Teilen des Landes sogar verboten wurden. Dieses Plastik ist nicht nur bloß optisch störend, sondern ein großes Problem für die Umwelt: Fische können die Plastikteilchen im Meer nicht von Plankton unterscheiden und verenden daran, was nur ein Aspekt des Problems Plastik ist. Darüber hinaus ist es ein nachhaltiges Problem: 500 Jahre kann der Kunststoff halten.

Einfluss auf den Menschen

Plastik zersetzt sich zwar nur sehr langsam, aber Plastik zersetzt sich – billiges Plastik riecht z.B. oft. Kurios ist auch, dass wir von Plastik umgeben sind. Jeder Haushalt besteht zum großen Teil aus Kunststoff, wir trinken aus Plastikflaschen, putzen unsere Zähne mit Plastikzahnbürsten, lenken unser Auto mit einem Plastiklenkrad und schreiben mit einem Plastikschrift – auch dieser Text kann sich nicht davon freisprechen, völlig plastikfrei zu sein, schließlich ist mein Computer zum großen Teil aus Plastik, ebenso mein Monitor und meine Tastatur. Was ich damit sagen will: Unser Umgang mit dem Stoff, der seit den 50er und 60er Jahren einen unvergleichlichen Boom erfährt, ist sorglos. Dabei wissen wir nicht einmal, was genau in den Gegenständen enthalten ist, was angesichts des alltäglichen Umgangs verwunderlich ist. Das System der Plastikherstellung ist nämlich undurchsichtig: Die Hersteller von Plastik-Pellets halten ihre Mischungen geheim und die Hersteller von Plastikflaschen oder auch Kaffeekapseln, verarbeiten diese nur weiter, ohne die Inhaltsstoffe im Einzelnen zu kennen. Das Zauberwort heißt “Vertrauen”. Der Endverbraucher kann daran ohnehin nichts ändern, er muss ebenfalls in die Industrie vertrauen. Auch aufgrund globaler Unterschiede in der Gesetzgebung und der bisher noch nicht geklärten Auswirkungen auf den Menschen – in der EU sind wir hier übrigens mit strengen Regeln ziemlich weit vorne in der Welt – ist hier die gesamte Lage und das Bewusstsein im Bezug auf die Gefahren von Plastik noch diffus. Geklärt ist aber, dass bestimmte Sorten von Plastik, von denen aber nur ein Bruchteil überhaupt im Bezug auf Auswirkungen auf den Menschen erforscht worden ist, Einfluss auf den Menschen haben. Der wohl in den Medien bekannteste Stoff ist Bisphenol A, der schon in kleinen Dosierungen Einfluss auf den Menschen hat. Dieser Stoff ist ein künstliches Hormon, das von der Wirkungsweise dem weiblichen Hormon Östrogen ähnelt. Die genauen Wirkungen von Bisphenol A sind bisher ungeklärt und welchen Einfluss es auf Mensch und Tier hat. Jedenfalls gibt es Verdachtsmomente, dass sich Fische in Flüssen mit besonders hoher Konzentration durch den Stoff zu Zwittern entwickeln und auch Menschen in ihrem Verhalten beeinflusst werden. Die Meinungen sind hier aber nicht eindeutig belegt, sodass ich hier aus dem einfachen Grund abbreche, dass ich geschafft habe, was ich erreichen wollte: Leser dieses Artikels haben nun wahrscheinlich ein Bewusstsein für den Stoff entwickelt, der sie Tag für Tag umgibt.

Kaffee und Plastik

Nachdem ich mir an einem Abend zwecks des Vergleichs der Filme und aus Interesse die Dokumentationen “Plastic Planet” und “Plastik über alles” (Trailer am Ende dieses Artikels) angeschaut habe, ist mir eigentlich klar geworden, was Plastik für einen Einfluss auf uns und unsere Umwelt hat. Ich musste wieder an meine Testläufe mit der Tassimo denken. Zuerst hatte ich dort die Umverpackung entfernt, dann die Pappkartons mit einer Beschichtung, dann die Kaffeekapseln… nach einigen Tests war mein Mülleimer bereits fast gefüllt, ohne dass ich überhaupt viel Kaffee getrunken hatte. Anders ist es auch bei anderen Kapselmaschinen nicht, wie z.B. Tassimo oder auch Dolce Gusto. Deswegen sollte sich meiner Meinung nach jeder überlegen, ob es der Komfort wirklich wert ist und es wirklich eine Kapselmaschine sein muss. Nicht nur die laufenden Kosten sind hoch, sondern es wird auch jede Menge Plastik produziert, das quasi ungenutzt wieder entsorgt wird und (weil niemand außer die Hersteller die Inhaltsstoffe kennen) nicht wirklich effektiv recyclet werden kann, auch wenn uns das immer glaubhaft gemacht wird. Der Komfort wird also auch durch einen nachhaltigen Schaden für die Umwelt erkauft und die Steuerung des Konsums eines jeden einzelnen ist derzeit die einzige Möglichkeit, der Übermacht Plastikindustrie entgegen zu treten. Denn nur was gekauft wird, wird auch produziert… .

Die Zukunft von Plastik

Machen wir so weiter wie bisher, schieben wir in einigen Jahrzehnten Mengen an Plastik vor uns her, die nicht mehr zu handhaben sind. Deswegen sind auch diverse Versuche gestartet worden, wie der Rohstoff Plastik in Zukunft besser genutzt oder auch verwertet werden kann. In den USA werden aus Plastikmüll z.B. Gehwegplatten und Bahnschwellen in Massen produziert, um zumindest einen winzigen Teil des anfallenden Mülls sinnvoll zu nutzen. Andere versuchen Alternativen zu entwickeln. In diesem Bereich sehe ich auch die Zukunft der Kaffee Kapselmaschinen: Wenn die Kapsel direkt nach dem Aufbrühen zerfällt oder einige Tage später, wäre der Umwelt viel geholfen. Diese biologischen abbaubaren Kunststoffe sind im Kommen, aber noch lange nicht massentauglich. Wir können einfach derzeit noch nicht auf Plastik verzichten, aber wenigstens versuchen, auf vermeidbaren Plastikmüll zu verzichten, lieber doch Glasflaschen und lieber einen Vollautomat statt einer Kapselmaschine zu kaufen.

“Plastic Planet

“Plastik über alles”

Quelle der Bilder: Dokumentation “Alles über Plastik”


Fatal error: Call to undefined function adrotate_ad() in /kunden/359062_10117/webseiten/wp-content/themes/headlines/single.php on line 36