Cremesso Compact im Test: Konkurrenz für Nespresso und Dolce Gusto?

Kapselmaschinen gibt es mittlerweile in einer Hülle und Fülle, wie man es sich vor Jahren noch nicht mal erträumen konnte. Filterkaffee gehört mittlerweile zum alten Eisen, in deutschen Küchen finden sich millionenfach Kapsel- und Padmaschinen namens Senseo, Nespresso, Dolce Gusto, Tassimo usw. Man müsste mittlerweile denken, dass jeder schon so eine Maschine hat und der Markt gesättigt ist, aber dies kann man anscheinend so generell nicht annehmen. Mein ausführlicher Systemcheck-Artikel, der demnächst sicher einmal ein Update bekommt mit neuen Maschinen, ist nach wie vor sehr beliebt. Gerade vor Weihnachten stellt sich also wieder die Frage: Welches System soll es sein? Aus der Schweiz kommt das Cremesso System, das ich heute vorstellen möchte.

Wie ist Cremesso einzuordnen?

Mit hohem Druck (19 Bar), Kapseln und hochwertiger Optik ist es sicher in erster Linie eine Kampfansage an Nespresso und Dolce Gusto. Auch die K-Fee Preferenza und das Tchibo Cafissimo System gehören zur direkten Konkurrenz. In Anlehnung an Nespresso gibt es sogar eine Cremesso Compact Automatic und eine Cremesso Manual. Unterschied: Bei der Automatic Variante gibt es zwei Tassengrößen und der Brühvorgang endet jeweils automatisch. Bei der manuellen Variante wird der Brühvorgang per Knopfdruck abgeschlossen. Vorziehen würde ich hier in jedem Falle eine automatische Variante. Dies bringt mehr Komfort und immer gleiche Geschmackserlebnisse.

Verpackung, Zubehör und Aufbau

Die Cremesso kommt in einer schicken, schwarzen Verpackung. So minimalistisch gehalten wie das Design ist auch der Packungsinhalt: Die Cremessso Compact Automatic befindet sich im Karton und eine kurze Bedienungsanleitung. Dass der Inhalt auf das Nötigste reduziert ist, gefällt mir – keine Werbeheftchen und Anleitungen, mit denen man ohnehin nichts anzufangen weiß. Insofern man den Aufbau überhaupt so nennen kann – dieser beschränkt sich eigentlich auf das anstecken des Stromkabels, drücken des Netzschalters (es gibt einen echten Netzschalter!) und das obligatorische Durchspülen am Anfang. Schon ist die Cremesso Compact Automatic einsatzbereit.

Verarbeitung und Design

Das Design der Cremesso Compact ist monolitisch: Es gibt keine Schlitze, sehr sparsam eingesetzte Bedienelemente und alles wirkt wie aus einem Guss. In Kombination mit der (in meinem Fall schwarzen) Hochglanzoberfläche macht das Design einen hochwertigen Eindruck, auch wenn die Cremesso Compact Automatic damit ein echter Staubfänger ist – diese Einschränkung gilt allerdings für alle Hochglanz-Oberflächen… . Der Hebel zum öffnen der Kaffeemaschine ist aus verchromtem Metall und macht einen stabilen Eindruck. Der Auslauf darunter ist leider aus Plastik, was man allerdings nur durch Fühlen merkt, ansonsten ist das chromfarbene Plastik nicht vom Hebel zu unterscheiden. Besonders gut gefallen an der Cremesso Compact Automatic hat mir der Netzschalter, mit dem man die Maschine komplett vom Stromnetz trennen kann (kein sinnloser Standby). Wobei auch der Standby Modus bei der Cremesso Comapct herausragend mit nur 0,3 Watt funktionieren soll (konnte leider nicht nachmessen). Das Befüllen und Einsetzen das Wassertanks funktioniert auch reibungslos, der Deckel auf dem Tank schließt vernünftig ab. Insgesamt ein Liter passt in den Tank, was sich im Test als gute Größe herausgestellt hat – auch bei Wahl der großen Tassengröße musste ich nur selten nachfüllen. Kleines Designhighlight sind wahrscheinlich die beiden beleuchteten Tasten für eine große und eine kleine Taste. Im Falle der schwarzen Cremesso leuchten diese in Weiß, was optisch viel her macht. Übrigens fand ich – das an dieser Stelle als Randnotiz – die Farben der Cremesso Kapseln auch recht außergewöhnlich und ansprechend.

Bedienung

Romane erzählen kann ich zur Bedienung der Cremesso Compact Automatic nicht, es gibt ja nur zwei Knöpfe und den Netzschalter. Dies macht im Prinzip auch den Reiz dieser Maschine aus. Die Bedienung könnte eigentlich kaum simpler sein. Hebel hoch, Kapsel rein, Hebel runter, dann habe ich die Wahl: Entweder ich drücke auf die linke Taste für eine kleine Tasse (entspricht einem Espresso mit 60ml) oder die rechte Taste für eine große Taste (entspricht einem Café Crema mit 120ml). Mehr Optionen gibt es nicht – Trickser, denen der Kaffee noch zu stark ist, drücken im Zweifel nochmal mit derselben Kapsel auf eine der Tasten. Zu den Tassengrößen ist natürlich zu sagen, dass Filterkaffee Trinker sich von großen Kaffeebechern erstmal umgewöhnen müssen. Zum Füllen einer “normalen” Tasse muss man schon zwei Kapseln durch die Maschine jagen. Die gebrauchten Kapseln fallen dann ins Innere der Maschine und können dort erstmal vergessen werden – der ganze Vorgang entpuppt sich also als unkompliziert und sauber, wie man es auch von Nespresso gewohnt ist.

Die Ohren werden bei der Cremesso Compact Automatic geschont. Ich empfinde den tieffrequenten Ton des Brühvorgangs als sehr angenehm und gut vertretbar. Ansonsten kann ich auch nicht viel zur Geräuschkulisse sagen, da es bis auf den Brühvorgang keine Geräusche gibt. Die Cremesso heizt sich quasi lautlos auf (evtl. mal ein minimales Zischen vernehmbar). Bei der Bedienung ist mir noch aufgefallen, das ich mehrfach versucht habe, mit leerem Wassertank aufzubrühen, was mir nicht signalisiert wurde. Auf der Homepage von Cremesso steht zwar, es gäbe einen “Wassermangelsensor”, ich hab den Wassermangel allerdings nicht gemerkt.

Anschaffungspreis und laufende Kosten

Der Anschaffungspreis für die hochwertige Cremesso Compact Automatic ist in Deutschland derzeot noch recht hoch mit 179,- € angesetzt. Dazu ist zu sagen, dass es sich hierbei nur um die reine Maschine handelt ohne Zubehör oder Kapseln. Bei der Konkurrenz gibt es zu diesem Preis schon einen Milchaufschäumer schon dazu und einige Kapseln bzw. Cashback. Dem nicht genug sind die Kapseln auch noch recht hochpreisig. 16 Kapseln kosten 4,49,- € (je nach Shop dann zzgl. Versand), womit man auf etwa 0,28 € pro Kapsel kommt. Damit liegt man in etwa auf dem Niveau von Dolce Gusto und etwas unter dem noch etwas teureren Nespresso Kaffee. D.h. wie bei allen Kapselmaschinen: Geeignet sind diese Maschinen eigentlich nur für Gelegenheitstrinker mit wenigen Bezügen pro Tag. Im anderen Fall lohnt sich doch recht schnell die Anschaffung eines Kaffee-Vollautomaten.

Geschmack

Zunächst einmal die negativen Aspekte vorweg. Die Cremesso Compact Automatic kann auch Tee aufbrühen, was ich auch direkt als erstes ausprobiert habe, um die Ergebnisse nicht durch den dominanten Kaffeegeschmack zu verfälschen. Getestet habe ich den Früchtetee und den “Swiss Alpine Herbs” Tee mit Pfefferminze. Wie auch schon bei anderen Kapselsystemen muss ich sagen, dass der Tee mir nicht gefallen hat. Zwar waren die Farben des Tees kräftig, der Geschmack aber von der Intensität her eher schwach und für meinen Geschmack etwas künstlich. Dies soll allerdings an dieser Stelle nicht allzu sehr ins Gewicht fallen, denn niemand wird sich ernsthaft eine solche Maschine zum Tee aufbrühen kaufen, schon gar nicht, wenn hauptsächlich Kaffee damit getrunken wird. Ich kann mir ohnehin  nicht vorstellen, dass ein dauernder Gebrauch mit Kaffee sich mit dem Aufbrühen von Tee geschmacklich verträgt… aber das ist eine andere Geschichte. Wer möchte kann ja probieren!

So nun aber endlich zum Kaffee und Espresso der Cremesso Compact Automatic. Von den insgesamt 7 verfügbaren Kaffee-Kapseln (Limited Editions nicht mit eingeschlossen) habe ich drei getrunken (Leggero, Crema und Alba), die allesamt sowohl als Espresso als auch als Café Crema eine feste, beständige Crema in die Tasse gezaubert haben. Geschmacklich konnten die drei Sorten mich ebenfalls überzeugen: Als Espresso schmeckten diese kräftig, unaufdringlich, besonders der Alba mit deutlicher Säure und einem langanhaltenden Abgang. Auch der Café Crema gefiel mir durchweg gut, der milde Leggero entpuppte sich hier als leicht-verträglicher Alltagskaffee mit einigem geschmacklichen Potenzial. Insgesamt halte ich das Cremesso System für eine gangbare Alternative zur hochwertigen Konkurrenz von Krüger (K-Fee) und Tchibo (Cafissimo). Bei Nespresso werden geschmacklich noch etwas komplexere Sphären erreicht und auch die Sortenvielfalt ist größer. Dolce Gusto richtet sich aufgrund der vielfältigen Möglichkeiten mit Milchkapseln ohnehin an eine etwas andere Zielgruppe, dürfte geschmacklich mit einem Hauch vor der Cremesso liegen. Klar: Tassimo und Senseo steckt die Cremesso dank des hohen Drucks geschmacklich in die Tasche.

 Fazit

Ich würde die Cremesso Compact Automatic empfehlen: Das Design ist schick, die Verarbeitung hochwertig und die Bedienung könnte kaum einfacher sein. Die Anschaffungskosten sind derzeit noch etwas hoch und auch die laufenden Kosten sind mit 28 Cent pro Kapsel auf einem hohen Niveau (wie Dolce Gusto). Das liegt evtl. auch daran, dass es bisher in Deutschland noch kaum Anbieter gibt – so bleibt die Cremesso in Deutschland erstmal ein empfehlenswerter Geheimtipp, der etwa auf dem Level der Tchibo Cafissimo oder K-Fee Preferenza liegt (die Grundlage beider Systeme ist identisch). Bestellen kann man die Maschine im deutschen Shop von Comapp – leider ist das Angebot für 149,- € mit Milchaufschäumer und 192 Kapseln derzeit noch nicht freigeschaltet.


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