Kaffee trinken in Hamburg: Café Kaltehofe im Test
Kaffee trinken in Rothenburgsort? Eher ungewöhnlich, das gebe ich gern zu. Die Elbinsel Kaltehofe wird wohl selbst vielen Hamburgern nicht unbedingt ein Begriff sein, dabei bietet die
kleine Insel bei gutem Wetter echtes Urlaubsfeeling fernab vom Straßenlärm. Auf der kleinen Elbinsel befindet sich ein Elbwasser-Filtrierwerk der Hamburger Wasserwerke, das seit 1990 außer Betrieb ist. Den ehemaligen Zweck kann man nun noch an der Villa Kaltehofe (ehemaliges hygienisches Insitut) und diversen großen Wasserbecken ablesen, ansonsten bietet Gebiet Natur pur. Auch an sonnigen Tagen ist die Elbinsel nie überfüllt und bietet für Spaziergänger, Inline-Skater, Jogger und Radfahrer das optimale Terrain. Seit Ende des letzten Jahres gibt es nun auch einen Platz, um sich vom Spaziergang zu erholen: Das Café Kaltehofe befindet sich in der gleichnamigen Villa, das auch ein Wasserkunst-Museum beinhaltet – hier dreht sich natürlich alles rund um die Historie der schicken Villa. Das Café Kaltehofe (Kaltehofe Hauptdeich 6-7, 20539 Hamburg) in Hamburg haben wir für euch getestet.
Ambiente, Ausstattung und Preise (20%)
Klar, der Stadtteil Rothenburgsort an sich ist nicht unbedingt für seine netten Cafés bekannt, aber die Lage vom Café Kaltehofe fernab von allem ist einfach sehr speziell und in Hamburg so wohl kein zweites Mal in vergleichbarer Form zu haben. Von außen strahlt das Gebäude eine historische Eleganz aus, während das Außenareal und die komplette Innenausstattung komplett modernisiert wurde. An den Wänden finden sich einige Wandtattoos passend zum Thema der Insel rund um Natur und Wasser, was mit der gediegenen Inneneinrichtung einen stimmigen Gesamteindruck vermittelt. Auf der großen Außenterrasse, die direkt “am Wasser” liegt neben einem großen, sehr modernen Wasserkunstwerk, ist die Ausstattung sehr einfach gehalten und wirkt etwas lieblos. Selbiges gilt für die “Karten”, die einfach auf einen weißen Zettel gedruckt wurden. Besteck, Teller und Gläser befinden sich auf einem einfachen Niveau, vergleichbar mit einer Jugendherberge. Einen “Aha-Effekt” konnte mir das nicht entlocken, aber enttäuscht war ich auch nicht.
Bei der Präsentation darf man eigentlich etwas mehr erwarten, gerade sonst alles rund um das Wasserkunst-Museum und das Café Kaltehofe sehr professionell gestaltet wirkt, was so an Flyern und Informationsblättern zu finden war. Es gibt sogar bedruckte Shirts für das Personal, für eine vernünftig gestaltete Karte hat es indessen nicht gereicht. Evtl. befindet man sich dort gestalterisch und preislich noch in einer Orientierungsphase, den das Café existiert in dieser Form ja erst einige Monate.
Das Publikum ist gemischt: Hier treffen sich junge Familien mit Kindern, Rentner, aber auch Pärchen. Ich habe die Atmosphäre als sehr angenehm empfunden. Positiv festzuhalten ist die Ebenerdigkeit der Anlage, die auch für Rollstuhlfahrer zu befahren ist. Dementsprechend ist auch ein Fahrstuhl zur behindertengerechten Toilette vorhanden. Im Übrigen waren die Toiletten modern und sauber, was mir ebenfalls sehr gut gefallen hat. WLAN wäre gerade in dieser Lage ein natürlich ein echtes Highlight, gibt es aber leider nicht… .
Preislich liegt das Café Kaltehofe im Mittelfeld. Ein Cappuccino kostet z.B. 2,50 €, ein Stück Kuchen 3,– €. Angenehm: Wasser im großen 0,3 l Glas gibt es umsonst dazu, passend zur Historie des Gebäudes.
Für die klasse Location mit Urlaubscharakter und einigen Mängeln bei der Präsentation gibt es von mir 7/10 Punkten.
An einem Sonntag Nachmittag war das Café nicht überfüllt und genug Personal war in jedem Fall vor Ort. Dabei wurde ich freundlich empfangen, aber nicht besonders aufmerksam betreut. Rückfragen ob alles in Ordnung sei, gab es nicht. Bei der Bestellung war ein geordertes Stück Kuchen nicht mehr da und ich musste dann doch etwas anderes wählen – halb so schlimm. Insgesamt war die Bedienung sehr bemüht, wirkte aber etwas unkoordiniert den ganzen über, was ich auch an anderen Tischen beobachten konnte. Es kam häufiger vor, dass nachgefragt wurde, ob der Kollege schon da war oder einem Zahlungswunsch wurde erst nach der zweiten oder dritten Nachfrage nachgekommen. Die Wartezeiten waren für Cappuccino und Kuchen im Rahmen, aber auch nicht überraschend schnell.
Das ist alles natürlich zu verschmerzen, das Team ist wohl noch nicht “eingespielt” – insgesamt bin ich zufrieden und gebe 6/10 Punkten.
Angebot Speisen & Getränke (20%)
Zu meinem sonntäglichen Test-Besuch konnte ich ein Stück Apfelkuchen und Kirschtorte probieren. Beide waren lecker und für den Preis angemessen dimensioniert. Auch ansonsten scheint das Angebot recht sinnvoll ausgestaltet zu sein. Es gibt Suppen, Frühstück, allerlei Snacks und Kuchen in – so schien es mir – guter Qualität zu einem ordentlichen Preis. Auch eine bestellte Rhabarbersaftschorle schmeckte gut und hatte ein optimales Mischverhältnis. Einzig die bereits angesprochene Präsentation der Speisen und Getränke wirkte etwas lieblos. Zudem hätten die Getränke besser gekühlt sein können, insbesondere das kostenlose Wasser war fast warm.

Beim Konzept und der Bepreisung scheint es noch einige Unstimmigkeiten zu geben. Einerseits bekommt man beim Café Kaltehofe ein kleines Frühstück mit 2 Brötchen mit Käse, Aufschnitt, Marmelade und Butter für sehr günstige 4,- €. Andererseits soll ein Brunch dort saftige 18,- € kosten. Zwar handelt es sich dort um ein Buffet mit Kaffee/Tee satt und einem Glas Prosecco, aber die Preisdifferenz erscheint mir doch saftig.
Summa sammarum gebe ich für einen gelungenen Auftritt mit einigen Detailschwächen 8/10 Punkten.
Kaffeegetränke – Geschmack (40%)
Es gibt einen Siebträger im Café Kaltehofe innen und bei meinem Besuch einen großen Vollautomaten mit zwei Bohnenbehältern außen. Mein Cappuccino ging in Ordnung. Zum Glück wurde ein recht aromatischer Espresso – schätzungsweise mit recht dunkel gerösteten Kaffeebohnen – der zwar keine besonderen Akzente setzen konnte, aber immerhin kräftig und vollmundig geschmeckt hat. Die Milch wurde beim Aufschäumen leider “typisch deutsch” zu heiß aufbereitet, sodass kein cremiger Milchschaum entstanden ist, sondern eine relativ feste Masse. Das habe ich aber auch schon deutlich schlimmer in so manchem Kaffee erlebt.
Für den Kaffeegeschmack bekommt das Café Kaltehofe von mir 7/10 Punkten.
Das Café Kaltehofe ist ein kleiner Geheimtipp in einem einzigartigen Haus mit einer spannenden Lage auf der Elbinsel Kaltehofe. Für die kleinen Mängel, die es noch bei der Bedienung und der Präsentation gibt, entschädigt die Location voll und ganz. Einen Besuch kann ich daher wärmstens empfehlen – nicht unbedingt für Kaffee-Gourmets, aber wenn ihr einen Ort zum Abschalten und Entspannen sucht, seid ihr hier genau richtig. Dafür gibt es im Test insgesamt 7 von 10 Punkten.

Homepage: www.wasserkunst-hamburg.de
Adresse: Kaltehofe Hauptdeich 6-7, 20539 Hamburg



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